Wie ich zur Mayaabdominaltherapie kam
Meine Verbindung zur Mayaabdominaltherapie begann lange, bevor ich überhaupt wusste, dass es diese Methode gibt.
Eine frühe Faszination
Schon so lange ich denken kann, hat mich die Kultur der Maya interessiert. Nach meinem Studium bin ich 1999 zum ersten Mal durch Mexiko gereist und habe mehrere Ruinenstädte der Maya besucht – Orte, die etwas in mir berührt haben, das ich damals noch nicht in Worte fassen konnte. Dass diese Faszination Jahre später auch beruflich eine Rolle spielen würde, hätte ich damals nicht gedacht.
Erste Berührungspunkte
Später absolvierte ich meine Ausbildung zur Heilpraktikerin und spezialisierte mich auf die Chinesische Medizin. Ein Schwerpunkt meiner Arbeit wurde früh die Frauenheilkunde.
Meine beiden Interessen – die Chinesische Medizin und die Welt der Maya – begegneten sich zum ersten Mal auf dem internationalen TCM-Kongress in Rothenburg ob der Tauber. Als ich dort 2008 zum ersten Mal teilnahm, fiel mir das Buch Wind in the Blood – Mayan Healing and Chinese Medicine von Hernán García, Antonio Sierra und Gilberto Balam in die Hände. Darin beschreiben die drei mexikanischen Ärzte Parallelen zwischen der Maya-Medizin und der Traditionellen Chinesischen Medizin. Dass diese beiden Heiltraditionen verwandte Vorstellungen teilen, faszinierte mich – und ließ mich nicht mehr los.
In dieser Zeit erzählte mir meine Freundin Andrea, die damals in Neuseeland lebte und einen Basiskurs für Laien besucht hatte, von der Arvigotherapie. Sie hatte das Gefühl, diese Methode könnte gut zu mir und meiner Praxis passen. Ich hörte zu und fand es interessant – aber es sollte auch aufgrund meiner familiären Situation als werdende Mutter noch einige Jahre dauern, bis daraus mehr wurde und ich diesen Faden wieder aufgriff.
Der entscheidende Impuls kam während der integrativen Kinderwunsch-Fortbildung, die ich 2017/2018 absolvierte. Dort wurden Aspekte aus Schulmedizin, Reproduktionsmedizin und Traditioneller Chinesischer Medizin zusammengeführt. Und dort traf ich meine Kollegin Regina Scharff, die bereits in dieser Therapiemethode ausgebildet war und damit arbeitete, und ich war sofort begeistert.
Gerade in diesem Zusammenhang entstand für mich die Idee, dass die Mayaabdominaltherapie ein zusätzlicher Baustein in meiner Arbeit sein könnte. In der Begleitung von Frauen mit Kinderwunsch hatte ich oft erlebt, dass gerade während einer reproduktionsmedizinischen Behandlung vieles von außen vorgegeben ist und sich nur begrenzt selbst beeinflussen lässt. Was mich an der Methode ansprach, war genau dieser Gegenpol: Frauen einen achtsamen und aktiven Zugang zum eigenen Bauchraum zu ermöglichen und ihnen die Selbstmassage am Bauch zu zeigen, die ein wichtiger Bestandteil der Therapie ist – und ihnen so etwas an die Hand zu geben, was sie selbst aktiv für sich tun können.
Die Methode ist nicht auf die Frauenheilkunde beschränkt – auch Männer und Kinder können behandelt werden. Für mich persönlich war jedoch die Arbeit mit Frauen und insbesondere im Bereich Kinderwunsch der entscheidende Ausgangspunkt. Auch heute behandle ich überwiegend Frauen.
Brücken bauen
Was mich von Anfang an besonders angesprochen hat, war die Person hinter der Methode: Dr. Rosita Arvigo verband ihr Wissen aus Anatomie und Physiologie mit dem, was sie über viele Jahre bei dem traditionellen Mayaheiler Don Elijio Panti und der traditionellen Hebamme Miss Hortence Robinson (beide aus Belize) und anderen Hebammen und HeilerInnen gelernt hatte. Sie entwickelte daraus diese Therapieform und ehrte immer die Wurzeln und gab den Menschen vor Ort durch diverse Projekte immer etwas zurück. Sie schlug damit eine Brücke zwischen zwei Welten.
Diese Verbindung aus naturwissenschaftlichem Denken und traditionellem Erfahrungswissen entspricht auch meiner eigenen Arbeitsweise. Als promovierte Humanbiologin und Heilpraktikerin bewege ich mich seit vielen Jahren zwischen diesen beiden Bereichen. In der Mayaabdominaltherapie fand ich einen Ansatz, der sehr gut zu diesem Selbstverständnis passte und sich wunderbar in meine Praxis einfügte.
Die Ausbildung
Ich meldete mich 2018 gleich zu einem Schnupper-Wochenende bei der aus Deutschland stammenden Lehrerin Eva-Maria Sengfelder aus Belize an. Danach hatte ich keine Zweifel mehr, und der Funke war endgültig entzündet.
Noch im selben Jahr, Ende 2018, absolvierte ich die Professional-Care-Ausbildung, um mich als Therapeutin ausbilden zu lassen, und erlernte die anteriore und posteriore Behandlung bei der erfahrenen Lehrerin Amanda Porter aus Großbritannien. Direkt im Anschluss begann ich, die Methode in meiner Praxis anzuwenden. Die vielen wertschätzenden Rückmeldungen bestärkten mich darin, diesen Weg weiterzugehen.
Was ich bis heute an der Methode schätze
Seither ist die Mayaabdominaltherapie ein wichtiger Bestandteil meiner therapeutischen Arbeit geblieben.
Besonders am Herzen liegt mir ein Aspekt: Ich kann meinen Klientinnen und Klienten die begleitende Selbstmassage zeigen – ein einfaches Werkzeug für zu Hause, mit dem sie selbst aktiv etwas für ihre Selbstfürsorge tun können.
Ergänzend gehören auch Elemente aus der Tradition der Methode dazu, die in meiner Ausbildung vermittelt wurden – etwa Rizinusöl-Packungen, vaginale Dampfbäder oder das Tragen einer stützenden Bauchbinde, der sogenannten Faja.
Rückblickend erstaunt mich, wie sich die einzelnen Fäden miteinander verbunden haben – meine frühe Faszination für die Maya-Kultur, die Chinesische Medizin und schließlich die Mayaabdominaltherapie. Vieles davon war lange da, bevor ich erkennen konnte, wohin es mich führen würde.
