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Wirkprinzipien im Detail

Die fünf Flüsse

Ein zentraler Grundgedanke der Maya-Abdominaltherapie ist das Bild der „fünf Flüsse". Gemeint sind unterschiedliche Formen von Versorgung, Weiterleitung und Bewegung, die für die Funktion von Geweben und Organen wesentlich sind. Die englischen Anfangsbuchstaben ergeben das Merkwort NAVEL – „Nabel":

  • N Nerven – Nerven leiten Informationen zwischen Gehirn, Rückenmark und Organen. Dazu gehören sowohl die Wahrnehmung von Schmerz, Spannung und Berührung als auch die unbewusste Steuerung von Verdauung, Durchblutung und Organfunktion durch das vegetative Nervensystem. Obwohl Nervenimpulse keine Flüssigkeit sind, werden sie in diesem Modell als „Fluss" verstanden, der möglichst frei und ungehindert verlaufen soll.
  • A Arterien – Arterien transportieren sauerstoff- und nährstoffreiches Blut zu den Organen und Geweben. Eine gute arterielle Versorgung ist entscheidend für Stoffwechselprozesse, Regeneration und die normale Funktion der Bauch- und Beckenorgane.
  • V Venen – Über die Venen fließt das sauerstoffärmere Blut zurück zum Herzen. Dabei werden auch Stoffwechselprodukte abtransportiert. Ist dieser Rückfluss verlangsamt, kann sich das als Gefühl von Schwere, Druck oder Stauung im Gewebe bemerkbar machen.
  • E Energie und EmotionenChu'lel ist in der Maya-Tradition das Konzept der vitalen Lebensenergie – vergleichbar mit dem Qi der Traditionellen Chinesischen Medizin oder dem Prana im Ayurveda. Chu'lel ist kein anatomisch messbarer Stoff, sondern ein traditionelles Erklärungsmodell, das die körperliche Betrachtung von Blutfluss, Lymphe und Nervensystem ergänzt. Zur energetischen Ebene gehört auch die Fähigkeit, Emotionen wahrzunehmen, auszudrücken und zu verarbeiten.
  • L Lymphe – Das Lymphsystem nimmt überschüssige Flüssigkeit, Eiweiße und andere Bestandteile aus dem Gewebe auf und führt sie zurück in den Blutkreislauf. Gleichzeitig spielt es eine wichtige Rolle im Immunsystem. Anders als das Blut verfügt die Lymphe über keine zentrale Pumpe. Ihr Transport wird unter anderem durch Atmung, Muskelbewegung und wechselnde Druckverhältnisse im Brust- und Bauchraum unterstützt.

Warum das Zwerchfell eine zentrale Rolle spielt

Das Zwerchfell bildet die bewegliche Grenze zwischen Brust- und Bauchraum. Durch beziehungsweise hinter ihm verlaufen wichtige Leitungsbahnen, die den Oberbauch mit dem Unterbauch, dem Becken und den Beinen verbinden.

Die Aorta tritt durch eine Öffnung im hinteren Zwerchfell in den Bauchraum ein. Von dort aus versorgen ihre Äste die Bauchorgane sowie – über die Beckengefäße – die Organe des kleinen Beckens. Die untere Hohlvene transportiert das venöse Blut aus Beinen, Becken und Bauchraum durch das Zwerchfell zurück zum Herzen.

Auch für den Lymphtransport ist diese Region von großer Bedeutung. Unterhalb des Zwerchfells befindet sich die Cisterna chyli, ein erweitertes Sammelgefäß, in dem Lymphe aus dem Bauchraum, dem Becken und den Beinen zusammenfließt. Von dort wird sie über den Brustlymphgang weiter in Richtung Brustkorb geleitet.

Bei jeder freien Einatmung senkt sich das Zwerchfell. Dadurch entstehen rhythmische Druckveränderungen im Brust- und Bauchraum. Diese unterstützen sowohl den venösen Rückstrom als auch den Transport der Lymphe aus dem Bauch- und Beckenraum.

Ist das Zwerchfell dauerhaft angespannt oder in seiner Beweglichkeit eingeschränkt, kann diese Funktion beeinträchtigt sein. In der Maya-Abdominaltherapie wird daher nicht nur im Unterbauch und am Becken gearbeitet. Auch der Oberbauch, die Rippenbögen und das Zwerchfell werden sanft einbezogen. Ziel ist es, Spannungen zu lösen, die Atmung zu vertiefen und die natürlichen Bewegungs- und Transportprozesse im gesamten Bauchraum zu fördern.

Die fünf Flüsse werden dabei nicht isoliert betrachtet: Durchblutung, venöser Rückstrom, Lymphtransport, nervale Regulation, Atmung, der Fluss der Lebensenergie und emotionales Erleben stehen in enger Wechselwirkung und beeinflussen sich gegenseitig.

Das Bild der fünf Flüsse und der Begriff Chu'lel stammen aus einem traditionellen Verständnis von Gesundheit und sind wissenschaftlich nicht überprüft. Als promovierte Biologin ist mir eine offene Einordnung wichtiger als ein Wirkversprechen.